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Die Fernbedienung


Es wurde Abend und somit auch etwas stiller, in unserer ansonsten ziemlich lauten Wohnung.
Etwas zu still f├╝r meinen Geschmack.
Was hat das f├╝r einen Grund?
Der Moment der Stille tut gut, aber langsam wie in einem Horror-Film kriecht eine G├Ąnsehaut ├╝ber meinen R├╝cken.
Ich gehe langsam in meinem Kopf das mittlerweile stark angestiegene Vorstrafenregister meiner lieben „Lady“ durch…
Auf dem Wohnzimmertisch wird sie nicht sitzen, denn den Aufprall h├Ątte ich geh├Ârt bei ihren mittlerweile 37 Kilogramm K├Ârpergewicht,
die CD┬┤s stehen wahrscheinlich auch noch im Regal, denn wenn sie ihr Lieblingslied „Lemontree“ h├Âren m├Âchte, scheppert es gewaltig beim Aussuchen…
auch den mittlerweile zum 100. Mal neu tapezierten Ausgang zur Terasse scheint es noch zu geben, weil sie nicht mit dem Tapetenlappen im Maul vor mir steht, um mir deutlich zu zeigen, dass es ihr so besser gef├Ąllt,
sie scheint heute Abend auch keine Lust auf Pizza zu haben, denn ich sehe keinen leeren Karton vor meinen F├╝├čen, den sie dann vom Altpapier auf der Terasse holt und halb verhungert zu mir schleppt,
nein, dies alles ist nicht geschehen. Doch was ist es dann?
Ich kratze den letzten Mut zusammen und stehe langsam auf und inspiziere meine Wohnung.
Ich traue meinen Augen nicht, als ich meinen Hund mit der Fernbedienung unseres Fernsehers vor ihr liegend finde.
Total zerkaut und ruiniert. Panik ├╝berkommt mich, meine Gedanken ├╝berschlagen sich…
Mein Freund kommt gleich von der Arbeit und m├Âchte das Fu├čballspiel sehen. Der Fernseher l├Ąuft und mit einem hektischen Blick in die Zeitung sehe ich, dass Programm ist richtig eingestellt, dort f├Ąngt in wenigen Minuten das Spiel an. Ein Blick auf meine Uhr verr├Ąt mir, es ist zu sp├Ąt, um eine neue Fernbedienung zu besorgen, alle Gesch├Ąfte haben zu. Egal, Hauptsache er kann das Spiel sehen. Alles weitere findet sich sp├Ąter, nur nicht auffallen…
Ich h├Âre die Haust├╝re in┬┤s Schloss fallen. Mein Freund kommt eiligen Schrittes die Treppe hoch. „Schatz, ich gehe noch schnell mit dem Hund raus, bevor das Spiel anf├Ąngt.“
Gute Idee… Zeit die ├ťberreste der Fernbedienung hinter meinem R├╝cken in den M├╝ll zu bringen.
Es dauert nicht lange und meine beiden Lieben kommen zur├╝ck. Ich habe in der Zwischenzeit schnell eine romantische Atmosph├Ąre geschaffen. Ablenkung nach dem Spiel hei├čt meine Devise. Und morgen dann schnell in die Stadt und eine neue Fernbedienung kaufen… So der Plan.
Doch hinter mir ert├Ânt die markige Frage: „Wo ist meine Fernbedienung?“
Lieber Gott, wie kann er von dem Ungl├╝ck erfahren haben, dass gibt es doch nicht!
Meine ziemlich bescheuerte Gegenfrage:“Welche Fernbedienung meinst Du? Schau, das Spiel beginnt,“ war ein letztes verzweifeltes Ablenken vom Geschehen.
Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. „Dieser Hund hat gerade das Innenleben meiner Fernbedienung, liebe Leser verzeiht mir die Ausdrucksweise an dieser Stelle, aber genauso hat er es gesagt, ausgeschissen! Und zwar am St├╝ck!“
Der Blick meines Hundes und mein Blick senken sich zu Boden. Man hat uns erwischt!!!
Aber wer konnte auch ahnen, dass der Verdauungsproze├č so schnell stattfindet und das Korpus Delikti direkt vor den Augen meines Freundes dampfend niederf├Ąllt?
Liebe Leser, es handelt sich dabei um die kleine Gummieinlage die in der Fernbedienung befestigt ist… Auf der stehen die Zahlen und Men├╝punkte, die einen sicher durch das abendliche Fernsehpramm f├╝hren…
Wenn ich heute ├╝ber diese Aktion nachdenke, ├╝berkommt mich ein Schmunzeln. Ich h├Ątte doch zu gerne das Gesicht meines Freundes gesehen, als er zur Identifizierung des Hundehaufens angetreten ist.
Schade, Schade…

In dieser Geschichte erfahrt ihr ├╝brigens, warum ich den Zwingernamen Golden Retriever of Lemontree gew├Ąhlt habe. Es war wirklich das Lieblingslied meiner geliebten „Lady“.
Und mit ihr hat ja nun auch alles angefangen…


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